Agro-Treuhand Rütti AG

Interview mit Marianne Widmer, geführt im Februar 2006

Nach dem Tod Ihres Ehemannes mussten Sie sich neben der Betriebsführung auch noch in die Buchhaltung einarbeiten, wie haben Sie beides geschafft?

Da ich bereits früher jeden Tag im Stall war und gemolken habe, war diese Arbeit für mich nicht neu. Ebenso konnte ich Traktor fahren. Es gab aber viele Arbeiten wie das Heuschroten, Schwemmkanäle leeren, Jauche verschlauchen oder etwa der Umgang mit gewissen Maschinen, welche für mich neu waren und ich zuerst lernen musste. Die Buchhaltung war aber neu für mich. Mit der Unterstützung durch meinen Treuhänder Hans Salvisberg arbeitete ich mich aber entsprechend ein.

 

Was war für Sie ausschlaggebend, um den Betrieb weiterzuführen?

Nach dem Tod meines Ehemannes habe ich die Kinder nach ihrer Meinung gefragt. Alle wollten unbedingt, dass wir gemeinsam den Betrieb weiterführen. Da wir bereits Eigentümer des Heimwesens waren und ich nach dem Verlust meines Mannes nicht auch noch den Betrieb aufgeben wollte, mir auch keine andere Arbeit vorstellen konnte, entschieden wir uns, den Betrieb weiterzuführen.

 

Welche Dienstleistungen beanspruchen Sie von Ihrem Treuhänder und warum gerade von der Agro-Treuhand Rütti AG:

Da bereits mein Ehemann Kunde bei der Agro-Treuhand Rütti AG war, gab es für mich keinen Grund für einen Wechsel. Zudem kannte Hans Salvisberg unseren Betrieb bereits. Die Dienstleistungen beinhalten die Finanzbuchhaltung, die Steuererklärung und einen einfachen betriebswirtschaftlichen Abschluss.

 

Sie führen neben der Finanzbuchhaltung noch eine einfache betriebswirtschaftliche Buchhaltung im Rapportsystem. Stimmt für Sie dieses System?

Für mich muss die Buchhaltung einfach sein und mir möglichst wenig Aufwand verursachen. Da mein Betrieb «nur» zwei Hauptbetriebszweige hat, genügt mir eine einfache betriebswirtschaftliche Buchhaltung. Zudem konnte ich bereits eigene Erfahrungswerte sammeln. Dies gibt mir zusätzlich eine gewisse Sicherheit.

 

Sie erledigen die Arbeiten auf dem Betrieb zusammen mit Ihrem Sohn. Was mussten Sie alles ändern, damit Sie die z.T. schweren Arbeiten körperlich und zeitlich bewältigen können?

Da der alte Anbindestall baufällig war, musste ich so oder so etwas unternehmen. Ich entschloss mich, einen Laufstall für die Kühe und das Jungvieh zu erstellen. Der Stall ist bereits fertig, gewisse Anpassarbeiten werden noch vorgenommen. Die Stallarbeit ist somit körperlich weniger anstrengend und die Tiere fühlen sich wohler. Je nach Saison lesen wir die Äpfel oder Kirschen an unseren Hochstammbäumen nicht mehr ab und überlassen sie den Vögel und den Kühen. Für gewisse Haushalt- arbeiten habe ich eine Haushalthilfe angestellt. Erholung zur Arbeit finde ich in gemeinsamen Ausflügen mit den Kindern oder beim Reiten mit meinen Pferden.

 

Welches sind Ihre Erfahrungen, welche Sie als Frau in einem vorwiegenden Männerberuf machen, ist es für eine Frau schwieriger, sich durchzusetzen?

Manchmal gibt es Hemmschwellen, die ich überwinden muss. Ich habe aber immer klare Vorstellungen was ich will und ein Ziel vor Augen, da geht es einfacher. Oft war ich an Versammlungen unter 100 Anwesenden die einzige Frau, heute sind bereits mehrere Frauen anwesend. Mehr Schwierigkeiten macht mir allerdings der Umgang mit den Behörden und Ämtern. Dort hat man oft Mühe zu verstehen, dass eine Frau einen  Landwirtschaftsbetrieb führt. Entsprechend wird auch die Korrespondenz abgefasst und adressiert.

 

Frau Widmer, wir danken Ihnen für das Interview.

Marianne Widmer aus Heimiswil

Marianne Widmer bewirtschaftet in Heimiswil einen knapp 20 Hektaren grossen Milchviehhaltungsbetrieb. Seit dem Tod ihres Ehemannes im Jahr 2002 führt Marianne Widmer den Betrieb alleine. Marianne Widmer hat drei Kinder: Andrea, Jahrgang 1982, Christian, Jahrgang 1984 und Martina, Jahrgang 1990. Sohn Christian ist behindert und arbeitet auf dem Betrieb mit. Seine Mithilfe ist unentbehrlich. Als zusätzliches Standbein hat Marianne Widmer den Betriebszweig «Junghennenaufzucht» aufgebaut. Zusätzlich stehen noch zwei Pferde im Stall.