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Interview mit Familie Schüpbach

Sandra und Martin Schüpbach bewirtschaften in Flugbrunnen einen gemischten Landwirtschaftsbetrieb. Ende 2014 konnten sie nach jahrelangem K(r)ampf ihre Mutterkühe endlich in einem neuen Stall unterbringen. Martin Schüpbach gewährt uns Einblick in seinen Betrieb.

Sie bewirtschaften einen sehr vielseitigen Betrieb. Können Sie uns die verschiedenen Betriebszweige kurz vorstellen?
Der Betrieb hat fünf Standbeine. Wir betreiben Ackerbau, haben eine Mutterkuhhaltung, bieten landwirtschaftliche Lohnarbeiten an, sind in der Forstwirtschaft tätig und vermieten Wohnungen. Ein weiteres wichtiges Standbein hätte ich fast vergessen (schmunzelt) – meine Frau hat eine auswärtige Tätigkeit als Oberstufenlehrerin.

Wie sehen die einzelnen Bereiche im Detail aus?
Im Ackerbau bewirtschaften wir eine Fläche von 31.6 Hektaren, wovon 8.7 Hektaren gepachtet sind. Darauf bauen wir ganz traditionell Gerste, Weizen, Raps, Triticale, Mais und Gras an. Für die Mutterkuhhaltung konnten wir Ende 2014 einen neuen Freilaufstall in Betrieb nehmen. Nun halten wir 31 Mutterkühe und einen Muni. Zudem bieten wir landwirtschaftliche Lohnarbeiten wie säen, Gras mähen und Rundballen pressen an, führen aber auch Transportaufträge aus. Im Winter bin ich vorwiegend im Wald anzutreffen. Gemeinsam mit der Forst gruppe Sädelbach führe ich Holzerarbeiten aus. Die Betriebsinfra struktur bietet uns zudem die Möglichkeit, fünf Wohnungen zu vermieten.

Wie hat sich Ihr Betrieb seit der Hofübernahme entwickelt?
1997 konnte ich den Hof in Flugbrunnen von meinen Grosseltern übernehmen. Der Betrieb war auf traditionelle Landwirtschaft ausgerichtet. Er umfasste Milchviehhaltung und bewirtschaftete eine Ackerbaufläche von 13 Hektaren. Aus heutiger Sicht würde man so einen Betrieb wohl als Auslaufmodell bezeichnen. Der Ausbau begann eigentlich, als ich mir für den Eigenbedarf eine Rundballenpresse kaufte. Wie in der Landwirtschaft so üblich, presst man plötzlich auch für den Nachbarn und erhält dann weitere Anfragen. So habe ich mit Lohnarbeiten begonnen und das Angebot über die Jahre laufend ausgebaut.
Vor etwa acht Jahren haben wir die Milchproduktion aufgegeben und mit Mutterkuhhaltung begonnen. Dafür wollten wir ausserhalb von Flugbrunnen einen neuen Stall erstellen. Leider wurde dieses Projekt durch Einsprachen jahrelang verzögert und zuletzt vom Kanton und der Gemeinde nicht bewilligt. In der Zwischenzeit konnte ich aber einen zweiten Betrieb übernehmen (Wolfenstall). Dies eröffnete uns die Möglichkeit, an diesem neuen Standort das Bauprojekt Mutterkuhstall weiterzuverfolgen. 2014 konnten wir endlich mit den Bauarbeiten beginnen und den Stall bereits Ende Jahr in Betrieb nehmen.

Was hat Sie dazu bewogen, auf Mutterkuh haltung umzustellen?
In erster Linie waren wir auf der Suche nach einer Tierhaltungsform, die uns Freude macht und in der Öffentlichkeit auch in Zukunft noch vertretbar sein wird. Zudem wollten wir das auf dem Betrieb gewonnene Raufutter weiterhin selbst veredeln. Die Mutterkuhhaltung erfüllt all diese Anforderungen. Die tägliche Arbeit mit den Tieren bereitet meiner Frau und mir sehr viel Freude. Der Spass an der Arbeit ist mir wichtig. Eine Tätigkeit, die ausschliesslich in finanzieller Hinsicht interessant ist, wäre nichts für mich.

Was wären die Auswirkungen auf die Mutterkuhhaltung gewesen, wenn Sie das Bauprojekt nicht hätten realisieren können? Gab es Alternativen?
Wahrscheinlich hätten wir die Mutterkuhhaltung aufgegeben. Nach dem Kauf des Betriebs Wolfenstall wäre es aber auch möglich gewesen, anstelle eines Neubaus den dort bestehenden Stall auszubauen. Wir hätten dann halt lediglich 15 bis 20 Mutterkühe halten können.

Was können Sie unseren Kunden empfehlen, die ebenfalls mit Verzögerungen bei Bauprojekten konfrontiert sind?
Uns stand mit der Zaugg AG eine sehr erfahrene Baupartnerin zur Seite und ausserdem hatten wir einen Bauanwalt hinzugezogen. Doch Erfahrung und Kompetenz haben sich in unserem Fall leider nicht ausgezahlt. Fast wichtiger erscheint mir im Nachhinein, dass man gegenüber den Behörden (Gemeinde und Kanton) stets anständig bleibt und auf keinen Fall die Beherrschung verliert. Das wirkt kontraproduktiv. Hartnäckig sein Ziel zu verfolgen ist ebenfalls ratsam. Und ganz wichtig: Beim ersten Rückschlag nicht gleich die Flinte ins Korn werfen!

In welchen Bereichen wurden Sie beim Bauprojekt und beim Kauf des Betriebs Wolfenstall von der Agro-Treuhand Rütti AG unterstützt?
Für beide Projekte hat mir die Agro-Treuhand Rütti AG eine umfassende Tragbarkeitsrechnung erstellt. Das gab mir eine gewisse Sicherheit, dass unser Vorhaben finanziell tragbar ist. Zudem konnte ich damit der Bank eine professionelle Dokumentation vorlegen und für die Projekte eine entsprechende Finanzierung beantragen.

Welche weiteren Dienstleistungen beanspruchen Sie von der Agro-Treuhand Rütti AG?
Das Buchen erledigen wir selbst. Die Agro-Treuhand Rütti AG unterstützt uns jedoch bei der Abschlusserstellung und beim Ausfüllen der Steuererklärung. Da wir wegen den Lohnarbeiten mehrwertsteuerpflichtig sind, müssen wir quartalsweise die Mehrwertsteuer abrechnen. Diese Abrechnungen erstellt ebenfalls die Agro Treuhand Rütti AG.

Welche Ziele und Visionen haben Sie für Ihren Betrieb?
Unser Ziel ist es, den Betrieb auf dem erreichten Level zu halten. Ein Ausbau der einzelnen Bereiche ist nicht geplant und teilweise auch gar nicht möglich. Der Mutterkuhstall beispielsweise ist mit seinen 32 Plätzen bereits voll ausgelastet. Bei den Lohnarbeiten ist der Markt in meinen Augen bereits gesättigt und eher ein Überangebot vorhanden. Im Forstbereich ist seit dem Wegfall des Euro mindestkurses eine gewisse Verunsicherung zu spüren. Das Holz aus dem Ausland ist seither noch günstiger zu haben. Ausbaupotenzial ist bei den vermieteten Wohnungen vorhanden: Mit
umfassenden Sanierungsarbeiten könnten wir den Cashflow sicherlich steigern. Solange aber alle Wohnungen vermietet sind, wollen wir mit Grossrenovationen noch zuwarten. Den Betrieb weiter auszubauen würde zudem die Arbeitsbelastung steigern. Bereits heute können wir den Arbeitsanfall nicht mehr ganz selbständig erledigen. Während sechs Monaten pro Jahr beschäftigen wir einen Angestellten, der uns bei den täglichen Arbeiten unterstützt. Ein Ausbau wäre somit nur mit zusätzlichem Personal möglich und würde unter dem Strich wohl gar kein Einkommen generieren. Gegen einen Ausbau des Betriebs spricht aber auch die Gesundheit. Denn uns ist der Ausgleich zur Arbeit und die Lebensqualität sehr wichtig.

Aktuell - News&Tipps Ausgabe 2/2017

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