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Interview mit Familie Studer

In Vechigen bewirtschaften Bendicht und Barbara Studer einen auf Milchwirtschaft spezialisierten Landwirtschaftsbetrieb. Anfang Jahr ist ihr Sohn Christoph in den Betrieb eingestiegen. Dazu hat die Familie eine Generationengemeinschaft gegründet.

Auf welchen Standbeinen steht Ihr Betrieb?
Bendicht Studer: Unsere Betrieb ist hauptsächlich auf Milchwirt­schaft ausgerichtet. Mit unseren 28 Milchkühen produzieren wir rund 220 000 kg Milch. Daneben haben wir eine Vielzahl kleine­rer Standbeine: Wir betreiben Direktvermarktung, haben eine kleine Pferdepension mit zwei Boxen und bieten Apéros auf dem Hof an, für Festgesellschaften von bis zu 150 Personen. Zudem machen wir kleinere Lohnarbeiten: Wir mähen für zwei Betriebe das Gras, erledigen das Laubblasen für das halbe Gemeindegebiet und im Winter ist Christoph in einer Holzergemeinschaft tätig. Ab Sommer 2017 werden wir auch Rundballen pressen. Diese Arbeit können wir von einem bestehenden Betrieb übernehmen und weiterführen.

Welche Produkte bieten Sie in Direkt vermarktung an und über welche Vertriebskanäle?
Bendicht Studer: Für unsere Hofprodukte haben wir vor dem Haus einen kleinen Selbstbedienungsladen eingerichtet. Dort ver­kaufen wir unser Obst, Eier und Most. Am Samstag gibt es zusätz­lich Burebrot und Züpfe. Weiter verkaufen wir unsere Produkte jeden zweiten Samstag in Boll auf dem Wochenmarkt.

Wie hat sich Ihr Betrieb in den letzten Jahren entwickelt?
Bendicht Studer: Bis vor 20 Jahren waren wir ein klassischer Land­wirtschaftsbetrieb. Wir hatten etwa zwölf Milchkühe, Rinder, ein paar Schweine und betrieben etwas Ackerbau. Vor 19 Jahren ha­ben wir uns dann entschieden, auf Milchwirtschaft umzustellen.

Würden Sie rückblickend wieder die gleiche Entscheidung treffen?
Bendicht Studer: Ja, vermutlich schon. Die Lage des Betriebs lässt eigentlich nicht viel anderes zu. Denn für intensive Kulturen sind unsere Böden nicht geeignet. Längere Trockenphasen würden die Pflanzen nicht überleben.

Seit Anfang Jahr führen Sie den Betrieb gemeinsam mit Ihrem Sohn Christoph als Generationen­gemeinschaft. Was hat Sie zur Gründung dieser 
einfachen Gesellschaft bewogen?
Bendicht Studer: Wir hatten uns bereits vor drei, vier Jahren mit der Hofübergabe beschäftigt. Damals wollten wir den Betrieb aber direkt an Christoph übergeben. Doch aus steuertechnischen Überlegungen war der Zeitpunkt noch zu früh. Schlussendlich kam Christoph mit dem Vorschlag, eine Generationengemein­schaft zu gründen. So kann er langsam als Betriebsleiter Fuss fas­sen und sich mit meiner Unterstützung auch ins Administrative einarbeiten. Zudem ist durch die Generationengemeinschaft auch die Stellvertretung geregelt und dank der Arbeitsteilung haben wir beide mehr Freizeit.

Wie teilen Sie die Betriebsführung zwischen sich und Ihrem Sohn auf?
Bendicht Studer: Dazu haben wir uns gar nicht so viele Gedanken gemacht. Es ergibt sich jetzt so, dass ich für die Arbeiten auf dem Hof zuständig bin, während Christoph sich um die Maschinen und die Arbeiten ausserhalb des Betriebs kümmert.

In welchen Bereichen sehen Sie bei der gemeinsamen Betriebsführung Konfliktpotenzial?
Bendicht Studer: Ich kann nicht genau so weiterarbeiten wie in den letzten zwanzig Jahren und muss offen sein für Neues. Ab und zu darf es aber schon mal Meinungsverschiedenheiten geben, das ist in Ordnung. Wichtig ist, möglichst viel zu kommunizieren und den Tag bereits am Frühstückstisch zu besprechen. Dadurch ent­stehen viele Konflikte schon gar nicht.

Und Sie, Christoph Studer, in welchen Bereichen sehen Sie bei der gemeinsamen Betriebsführung Konflikt potenzial?
Christoph Studer: Meine «junge Art» ist sicher anders als die der älteren Generation. Da entstehen unbewusst Reibungspunkte. Weiteres Konfliktpotenzial gibt es sicher, wenn beide versuchen, ihre Ideen «durchzustieren».

Wie wurden Sie seitens der Agro­Treuhand Rütti AG beim Gründungsprozess unterstützt?
Bendicht Studer: Wir haben vor ein paar Jahren den Hofübergabe­kurs besucht. Als klar wurde, dass wir den Betrieb als Generatio­nengemeinschaft weiterführen wollen, haben wir uns für eine Beratung bei der Agro­Treuhand Rütti AG gemeldet. Nach einem intensiven Gespräch wurde für uns ein Vertrag erstellt, der vom Finanziellen über die Vertragsdauer bis hin zu den Rechten und Pflichten alles regelt. Zudem hat die Agro ­Treuhand Rütti AG unser Maschineninventar geschätzt.

Weshalb liessen Sie das Maschineninventar vor der Gründung schätzen?
Bendicht Studer: Das Inventar sollte für die Gemeinschaft nicht zu teuer aber auch nicht zu günstig sein. Wir wollten für die Ma­schinen einen fairen Preis ermitteln, hinter dem beide Parteien stehen können. Daher war es wichtig, dass die Schätzung durch eine neutrale Stelle vorgenommen wurde.

Welchen Rat würden Sie anderen Betriebsleitern geben, die eine Generationengemeinschaft gründen wollen?
Bendicht Studer: Es ist im Interesse des Betriebsleiters, dass der Betrieb weitergeführt wird. Deshalb sollte er wissen, was der Nachfolger will. Die Wünsche des Nachfolgers müssen bei der Gründung unbedingt miteinbezogen werden. Dann bin ich über­zeugt, dass es eine gute Sache wird!

 

Aktuell - News&Tipps Ausgabe 2/2017

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